Aus dem burgenländischen Gesundheitsbericht 2017

Im Juni wurde der burgenländische Gesundheitsbericht 2017 präsentiert. Dieser informiert über die gesundheitliche Situation und Versorgung der burgenländischen Bevölkerung und macht gesundheitsbezogene Trends sichtbar. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit dem Teilbereich Gesundheitszustand sowie dem Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Burgenländer und Burgenländerinnen.

Von der burgenländischen Landesregierung in Auftrag gegeben und vom Department Gesundheit der FH Burgenland erstellt, umfasst der aktuelle (im 5-Jahres-Rhythmus erscheinende) Gesundheitsbericht den Beobachtungszeitraum 2012 bis 2017.

Die burgenländische Bevölkerung in Zahlen

Zum Stichtag 01.01.2017 lebten im Burgenland rund 292.000 Personen (50,8% Frauen, 49,2% Männer). Seit der Publikation des letzten Gesundheitsberichtes 2012 ist die Bevölkerung um 2,2% gewachsen.

Nach wie vor stellt das Burgenland das bevölkerungsmäßig kleinste Bundesland Österreichs dar. Zudem liegt der Anteil der Generation 60+ im Burgenland über dem Österreichschnitt und nahm in den letzten 5 Jahren um 2% zu. Wenig überraschend ist auch die gleichzeitige Abnahme der Gruppe der 15- bis 59-jährigen (-1,9%). 

Auf Basis der zugrundeliegenden Prognosedaten der Statistik Austria, wird die burgenländische Bevölkerung in den nächsten 50 Jahren um rund 48.000 Personen wachsen. Der Zuwachs liegt mit einem Wert von 16,3% deutlich über dem Bundeszuwachs (12,5%).

Die Detailbetrachtung der Prognose für die einzelnen Altersgruppen zeigt einen deutlichen Anstieg der Generation 65+ bei gleichzeitiger Abnahme der 20- bis 64-jährigen. 

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung im Burgenland lag 2016 bei Männern bei 79,3 und bei Frauen bei 84,2 Jahren. Von 2012 bis 2016 stieg diese bei beiden Geschlechtern um rund 1,6 Jahre. Die Abweichungen zum Bundesschnitt sind minimal.

Prognosen zufolge wird die Lebenserwartung in den nächsten 18 Jahren weiter ansteigen. In der Geschlechterbetrachtung wird bei Männern ein höherer Anstieg prognostiziert.

Die interessanteren Kennzahlen finden sich jedoch im Bereich der Lebenserwartung in guter Gesundheit. Aus diesen lässt sich schließen, ob Steigerungen der Lebenserwartung in Gesundheit verbracht werden, oder ob es lediglich zu einer Verlängerung der Krankheitsdauer kommt.  

Im Burgenland verbringen Männer 64,7 Jahre und Frauen 61,7 Jahre ihres Lebens in guter Gesundheit. Männern sind demnach 3 gesunde Lebensjahre mehr beschert. Unter Bezugnahme auf die allgemeine Lebenserwartung bedeutet dies, dass Frauen zwar älter werden als Männer, jedoch weniger Lebensjahre in Gesundheit verbringen. Im Bundesländervergleich liegt das Burgenland leider bei beiden Geschlechtern an letzter Stelle der Lebenserwartung in guter Gesundheit. 

Leider muss angemerkt werden, dass – aufgrund von Änderungen in der österreichischen Gesundheitsbefragung – kein Vergleich mit älteren Berichten möglich ist.

Body Mass Index (BMI)

Der BMI drückt das Verhältnis von Körpergewicht zu -größe aus. Anhand dieser Kennzahl lassen sich Aussagen zu Über- und Untergewicht treffen. Generell steht der BMI in der Kritik, dass die Körperkomposition keinerlei Berücksichtigung findet. Wird dieser jedoch auf größere Bevölkerungsgruppen angewandt, erweist er sich durchaus als wichtige Kennzahl.

Lediglich 41% der burgenländischen Bevölkerung können als normalgewichtig eingestuft werden. Grob überschlagen bedeutet dies, dass jede(r) Zweite übergewichtig oder sogar adipös (krankhaft übergewichtig) ist. Der Anteil der Männer ist deutlich höher, als jener der Frauen. Zudem liegt man im Österreichvergleich weit über dem Durchschnitt (53,3% normalgewichtig).

Mortalität

Spitzenreiter bei den Todesursachen sind Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems. Diese waren insgesamt für nahezu die Hälfte (46%) aller Todesfälle im Burgenland verantwortlich und weisen einen deutlichen Vorsprung zu den übrigen Todesursachen auf.

An zweiter Stelle liegen Krebserkrankungen. Mit 23% sind diese für etwa ein Viertel aller Todesfälle verantwortlich. Bei Frauen zählt Brustkrebs zu den häufigsten Krebsarten. Bei Männern sind vor allem die Organe der Atemwege (Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lunge) betroffen.

Die häufigsten Todesursachen sind eindeutig dem Bereich der Zvilisationskrankheiten zuzuordnen. Hier besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen unserem Lebenswandel (Ernährung, Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum, etc.) und der Häufigkeit des Auftretens dieser Krankheiten.

Wie gesund lebt die burgenländische Bevölkerung

Bis hierher ging es um Lebenserwartung, Krankheiten und Sterbehäufigkeiten. Werfen wir nun einen Blick auf das tägliche Verhalten von Frau und Herrn Burgenländer und deren Zu- bzw. nicht Zutun zur obigen Situation.

Sport und Bewegung

Kaum jemand wird den Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit bestreiten. Bewegungsarmut wird als viertgrößter Risikofaktor für die globale Mortalität eingestuft und begünstigt eine Vielzahl von Krankheitsbildern (z.B. Brust- und Darmkrebs, Diabetes,  Herzerkrankungen). Umgekehrt führt regelmäßige Bewegung zu gesundheitsfördernden Effekten.

https://www.gesundheit.gv.at/r/leben/bewegung/gesund-durch-sport/Bewegungsempfehlungen-Erwachsene.pdf?pamlta

Österreichische Empfehlungen sehen pro Woche Bewegung im Ausmaß von 150 Minuten (moderate Intensität) oder 75 Minuten (höhere Intensität) vor. Zudem werden muskelkräftigende Aktivitäten empfohlen. Warum diese so wichtig sind, kannst du in meinem Artikel „Krafttraining – Die Macht der Muskeln“ nachlesen.

Auf den genannten Empfehlungen basieren auch die statistischen Auswertungen. Lediglich 22,6% der burgenländischen Bevölkerung halten diese ein. 

Ernährung

Der Nationale Aktionsplan Ernährung (NAP.e) des Bundeministeriums für Gesundheit legt im Sinne der ernährungsbezogenen Prävention österreichweite Ernährungsziele fest. Bildlich sind diese in der österreichischen Ernährungspyramide dargestellt, welche Auskunft über Art und Menge der empfohlenen Lebensmittel(-gruppen) gibt. 

https://www.bmgf.gv.at/home/Ernaehrungspyramide

Im Gesundheitsbericht ist ersichtlich, dass etwa die Hälfte der burgenländischen Bevölkerung täglich oder mehrmals täglich Obst isst. Innerhalb dieser Personengruppe beträgt der tägliche Obstkonsum rund 1,8 Portionen (Empfehlung: 2 Portionen). Zusammenfassend kann behauptet werden, dass die Hälfte der Burgenländer und Burgenländerinnen der Empfehlung zumindest nahe kommt.

Bei Gemüse und Salat bewegen wir uns leider weg von der Hälfte, in die Nähe eines Drittels der Bevölkerung. Nur 37,7% essen täglich einmal oder mehrmals Gemüse und Salat. Hier liegt das Burgenland deutlich unter dem Österreichschnitt von 47,5%. Jene, die täglich Gemüse und Salat konsumieren, essen durchschnittlich 1,5 Portionen pro Tag. Die Empfehlung von täglich 3 Portionen wird somit nur von einem Drittel der Bevölkerung und dies nur zur Hälfte erreicht. 

Aber es gibt auch eine Lebensmittelkategorie, bei welcher wir nicht weit unter der Empfehlung liegen. Es geht um Fleisch und Wurst. 3 Portionen (pro Woche), mit der Einschränkung „mager“, sind empfohlen. Im Gegensatz zu Obst und Gemüse sprechen wir hier allerdings von einer Maximalempfehlung.

72,8% der burgenländischen Bevölkerung essen dreimal oder häufiger (davon 28,5% täglich) pro Woche Fleisch und Wurst und treffen bzw. übertreffen die Empfehlung. 1,4% haben übrigens angegeben, nie Fleisch oder Wurst zu essen.

Leider gibt der Gesundheitsbericht auch im Bereich Ernährung keine neuen Erkenntnisse preis. Zu wenig Obst, zu wenig Gemüse und viel zu viel Fleisch. 

The Bottom Line

Dieser Artikel stellt nur einen kurzen Auszug des sehr umfangreichen burgenländischen Gesundheitsberichts 2017 dar. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, findet die Links zum  vollständigen Bericht und zur Kurzfassung am Ende des Artikels.

Obwohl sich die präsentierten Zahlen auf das Burgenland beziehen und es Schwankungen und Abweichungen zu Bundeszahlen bzw. zu den Werten anderer Staaten gibt, so sind die Erkenntnisse aus dem vorliegenden Bericht nicht neu.  

Die für mich entscheidende Kernaussage ist jene, dass die Lebenserwartung zwar im steigen begriffen ist, dies aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass wir diese Mehrzeit auch in Gesundheit verbringen.  

In unserer Gesellschaft liegt der Fokus zu sehr auf der Therapie von Krankheiten. Vielmehr sollte dieser jedoch auf der Erhaltung der Gesundheit liegen. Hierzu ist ein überwiegend gesunder und aktiver Lebenswandel unabdingbar. Ernährung und Bewegung sind die zwei mächtigen Hebel die uns stets zur Verfügung stehen.

Deine Gesundheit ist dein kostbarstes Gut und deren Erhalt liegt primär in deinen Händen. Zuerst bist du gefragt. Erst danach kommt die Medizin ins Spiel. Als allerletzten Schritt kannst du dich auf Vererbung und Genetik ausreden. 

In diesem Sinne: „Iss was g‘scheits und beweg‘ dein‘ Oasch!“

Wie stehst du zu diesem Thema? Hast du Fragen oder Anregungen? Ich freue mich über deinen Kommentar. 

Der Burgenländische Gesundheitsbericht 2017 (Langfassung)

Der Burgenländische Gesundheitsbericht 2017 (Kurzfassung)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code